Die Mühlen in Dorchheim
 
Im Gemeindegebiet von Dorchheim gab es ehemals vier Mühlen.
 
1. Gadelheimer Mühle: Wilhelm und Maria Braß betrieben die Mühle bis ca. 1944. Danach übernahm ihr Sohn Edmund die Mühle , bis er zum Militärdienst einberufen wurde. Leider kam er aus dem Krieg nicht wieder zurück. Daraufhin führte die Mutter mit ihrer Tochter Hedwig Heftrich gemeinsam die Mühle weiter bis 1956, danach gaben sie die Mühle auf. Leider gab es auf der Mühle viele Schicksalsschläge. U.a. brannte die alte Mühle total ab. Man wagte ein Jahr später noch mal einen Neubau. 1973 wurden die Mühlenanlagen abgebaut. Die Enkelin Ursula Rußmann, geb. Heftrich baute 1986/87 die Mühle zu einer Pension mit 10 Betten um. Die alte Mühle hatte eine eigene Stromversorgung durch einen Generator, der vom Mühlrad angetrieben wurde.
 
Untere Gadelheimer Mühle
Untere Gadelheimer Mühle
 
2. Güth's Mühle: Anfang des Jahrhunderts war sie im Besitz von Wilhelm Güth, der sie auch noch betrieb. Aber irgendwann wurde sie stillgelegt. Bewohnt wurde sie lange von der ledigen Katharina Güth und ihrem Neffen Theo. Fachinger mit seiner Familie. Die Mühlenanlagen standen noch lange ins jetzige Jahrhundert und man erinnert sich noch gut an das alte Mühlrad und den Mühlgraben.
 
3. Die Schneidmühle: Diese Mühle hatte ihre Lage unterhalb der Güth's Mühle, direkt an der Bundesstraße hinter der Brücke. Ursprünglich war es auch eine Getreidemühle. Das Mahlen von Getreide gab man dann später auf und verlegte sich aufs Holzschneiden . Das Gatter wurde auch von einem Wasserrad angetrieben, das aus dem gleichen Mühlgraben wie Güth's Mühle gespeist wurde. Vor der Mühle und auf der anderen Seite (in der Holzwies) lagen meterhoch die Stämme, wurden hin und her über die "Strooß" transportiert und dann zu Balken, Bretter und Latten zugeschnitten. Damals war ja die Bundesstraße kaum befahren. Der letzte "Schneidmüller" war Alfred Braß, der den Betrieb von seinem Vater übernommen hatte. Übrigens hatte diese Mühle das erste elektrische Licht in Dorchheim. Ein von Wasserkraft angetriebener Dynamo speiste eine Batterie und so hatte man überall die Möglichkeit, Lampen zu speisen. Nachts brannte im Hof eine Lampe, die von vielen Neugierigen bestaunt wurde.
 

4. Die Elbmühle: Noch im vorigen Jahrhundert erbaut, liegt die Elbmühle kurz hinter der Einmündung des Steinbachs in den Elbbach auf westlicher Seite ganz dicht an der Gemarkungsgrenze zu Heuchelheim. Waren die übrigen Mühlen in unserem Bereich alles kleine Mühlen mit einem oder zwei Mahlgängen in Einfamilienhäusern, so ist die Elbmühle ein massives 7-stöckiges Gebäude. Sie hatte 16 Mahlgänge auf den sieben Stockwerken verteilt. Wöchentlich wurden mehrere hundert Doppelzentner Frucht (überwiegend Roggen und Weizen) vermahlen und mit dem eigenen Lkw oft über hundert Kilometer zu den Kunden gebracht. Viele Jahre fuhren Alois Burkhardt und sein Beifahrer Peter Reichwein übers Land und luden ihre Mehlsäcke noch auf dem Rücken bei den Kunden ab. In der Mühle selbst waren Frauen damit beschäftigt, Mehl und Gries in 1- und 2 1/2- Kilopäckchen abzupacken. Als Müller waren jahrzehntelang beschäftigt: Peter Bauch, Herbert Klapper und der Johann aus Polen. Einige junge Burschen lernten auch hier den Beruf des Müllers.

Elbmühle

In der Verwaltung war neben Leo Endruhn auch noch viele Jahre Frau Maria Wagner aus Hausen beschäftigt. Das Gebäude ist in massiver Backsteinbauweise errichtet und so steht sie auch heute noch. Sie zählte zu den großen Mühlen, zumindest in unserem Raum. Zum Anfang des Jahrhunderts war sie im Besitz von Ludwig Kurtenacker. In den 20-er Jahren ging sie in den Besitz seines ältesten Sohnes Johann über. Zur Mühle gehörte auch noch ein Hof. Nach dem Tod von Johann K. erbte seine Frau Johanna Kurtenacker das gesamte Anwesen. Da der Hof aber hoch verschuldet war, wurde die Mühle im Oktober 1936 durch das Erbhofgericht in Celle vom übrigen Hofgut abgetrennt, um das Hofgut zu entschulden. Johanna K. verpachtete nun die Mühle an den Müller Kreutzer. Als der Pächter dann zahlungsunfähig wurde, verkaufte Frau Kurtenacker 1939 die Mühle an den Müllermeister Leo Endruhn. Hieß die Mühle früher im Volksmund "Kurtenackers Mühle", so sagte man später einfach "Endruhns Mühle". Die Mühle steht auf Dorchheimer Gemarkung, während der Hof auf Heuchelheimer Gemarkung stand. Er wurde nach dem Krieg abgetragen und fand seinen Platz im Hachenburger Freilichtmuseum. Im Jahre 1978 gab Leo Endruhn die Mühle aus Krankheitsgründen auf - Nachfolger hatte er keinen. Die Mühleneinrichtung ist innen total abgebaut, das Gebäude steht heute leer. Die Trocknungsanlage und die Silos werden jedoch heute noch von einer fremden Mühle vom Westerwald genutzt. Das mühleneigene Kraftwerk ist noch voll funktionsfähig und weiterhin in Betrieb.

 
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Aktualisiert am: 12-Feb-2002
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